Öffnet eine Rückbeuge wirklich dein Herz? 🏹Ein Blick auf Dhanurāsana, Prāṇa und die Frage, wohin wir unsere Energie wirklich richten
- Dennis Wittmann
- 11. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Öffnet eine Rückbeuge wirklich dein Herz? 🏹

Ein Blick auf Dhanurāsana, Prāṇa und die Frage, wohin wir unsere Energie wirklich richten
Bevor ich tiefer in Rückbeugen und speziell in Dhanurāsana, die Bogenhaltung, eintauche, möchte ich kurz einen Schritt zurückgehen.
Ich finde, dass wir im Yoga oft sehr schnell über Wirkungen sprechen —„Herzöffnung“, „Weite“, „Loslassen“ —ohne wirklich zu klären, was sich da eigentlich in uns bewegt.
Und aus meiner Erfahrung führt kein Weg daran vorbei, sich damit zu beschäftigen,was im Yoga mit Prāṇa gemeint ist und was Dhanurāsana bedeutet.
Der Bogen – und was er mir über die Praxis zeigt
Was mich an Dhanurāsana besonders fasziniert, ist ihr Name.
Der Bogen.
Und ich finde, dass genau hier die eigentliche Tiefe der Haltung liegt.
In der Muṇḍaka Upaniṣad heißt es sinngemäß:
Der Bogen ist das Instrument,das Selbst ist der Pfeil,und das Ziel ist das Höchste.
Wenn ich das auf meine Praxis übertrage, entsteht für mich ein sehr klares Bild:
Mein Körper wird zum Bogen
Meine Energie wird zur Spannung
Meine Aufmerksamkeit wird zum Pfeil
Und plötzlich geht es nicht mehr nur darum,wie weit ich in die Rückbeuge komme.
Sondern:
Wie halte ich diese Spannung?
Wie stabil bin ich dabei?Und wohin richte ich meine Aufmerksamkeit
Die innere Haltung im Bogen
Ein Bogen funktioniert nur, wenn er:
stabil ist
ruhig gehalten wird
klar ausgerichtet ist
Wenn er wackelt,verfehlt er sein Ziel
Und im schlimmsten Fall wird er sogar gefährlich —für sich selbst und für andere.
Und ich finde, das ist ein unglaublich ehrliches Bild für unsere Praxis.
Denn auch wir können viel Energie aufbauen.Aber wenn wir sie nicht halten und führen können,dann wird sie unklar.
Oder geht in die falsche Richtung.
Und damit wird die eigentliche Frage klar
Für mich ist Dhanurāsana deshalb keine „Herzöffnung“.
Sie ist eine Frage.
Wohin möchte ich meinen Pfeil richten?
Wohin soll meine Energie fließen?
Weiter nach außen?
In meinen Kopf?
In Kontrolle, Reaktion, Aktivität?
Oder:
nach innen
in Verbindung
in mein eigentliches Selbst
in Richtung Ruhe und Klarheit
Was ich unter Prāṇa verstehe
Für mich beschreibt Prāṇa nicht einfach „Energie“ im allgemeinen Sinn.
Ich erlebe es eher als eine intelligente, lebendige Kraft,die alles in uns bewegt, organisiert und miteinander verbindet.
Sie zeigt sich im Atem,aber sie ist nicht auf den Atem begrenzt.
Ich nehme sie wahr in meiner Wachheit,in meiner Klarheit,in meiner Fähigkeit präsent zu sein,aber auch in Momenten von Unruhe, Zerstreuung oder Erschöpfung.
Oder anders gesagt:
Prāṇa ist für mich das, was mein ganzes System lebendig hält — körperlich, mental und innerlich.
Und genau deshalb wirkt Yoga für mich nie nur auf den Körper.
Wenn ich praktiziere,bewege ich immer auch diese Lebenskraft.
Warum das heute so wichtig ist
Wenn ich auf unseren Alltag schaue, habe ich oft das Gefühl,dass wir einen Großteil unserer Energie permanent nach außen geben.
Über unsere Sinne.
Über das, was wir sehen, hören, konsumieren, reagieren, verarbeiten.Über Gespräche, Reize, Bildschirme, Tempo.
Es ist, als würde unser System ständig im Außen hängen.
Und ich erlebe das bei mir selbst genauso wie bei vielen Menschen, mit denen ich arbeite:
viel Input
viel Reaktion
aber oft wenig echte Sammlung
Im Yoga wird gesagt, dass wir über die Sinne ständig Prāṇa nach außen verlieren.
Und aus meiner Sicht beschreibt das ziemlich gut,warum sich so viele Menschen gleichzeitig müde und überladen fühlen.
Nicht, weil sie „zu wenig machen“ —sondern weil ihre Energie nicht mehr wirklich bei ihnen ist.
Und genau hier kommen Rückbeugen ins Spiel
Rückbeugen werden oft als „Herzöffner“ bezeichnet.
Und ich verstehe, woher das kommt.
Der Brustkorb wird weiter,der Körper fühlt sich offener an,es entsteht ein Gefühl von Raum.
Aber aus meiner Erfahrung greift das zu kurz.
Was Rückbeugen für mich wirklich tun
Wenn ich Rückbeugen wie Dhanurāsana tiefer betrachte,dann erlebe ich zwei Dinge gleichzeitig:
Sie führen mich nach innen
Auch wenn es paradox klingt,fühlen sich Rückbeugen für mich oft nicht nur öffnend, sondern sehr zentrierend, nach innen führend an.
Durch die Spannung im Körper,durch die Intensität des Atems der in den Brustkorb gelenkt wird, durch das Halten der Form ohne zu wackeln oder zu übertreiben
wirken sie auf das energetische Feld von Prana Vayu.
Rückbeugen bauen sie viel Energie auf und führen siw naxch innen
Dadurch fühle ich mich:
lebendiger
weiter
präsenter
Aber oft fühle ich dadurch auch:
intensiver
mich manchmal unruhiger
manchmal unsicherer
Und genau hier habe ich für mich etwas Wichtiges verstanden:
Rückbeugen öffnen nicht einfach.
Sie verstärken. Denn Prana fließt in alles was in mir vorhanden ist.
Und das kann sich sehr unterschiedlich anfühlen,je nachdem, was gerade in mir aktiv ist
.
Warum ich Rückbeugen heute anders einordne
Früher hätte ich vielleicht auch gesagt:„Das ist eine Herzöffnung.“
Heute würde ich eher sagen:
Rückbeugen bringen Prāṇa in Bewegung.
Und diese Bewegung kann:
mich sammeln
mich aufrichten
mich klären
oder eben auch:
mich überfordern
mich in Spannung bringen
alte Muster verstärken
Und genau deshalb finde ich,dass Rückbeugen Vorbereitung brauchen und das das Sequenzing absolut fundiert und vollständig energetisch konzepiert sein muss, damit wir Diese Wirkung zu unserem Wohl einsetzen können.
.
Nicht nur körperlich —sondern auch innerlich und in unserem Leben..
Was Yoga für mich hier wirklich bedeutet
Je länger ich praktiziere, desto mehr merke ich:
Yoga ist für mich nicht in erster Linie das,was ich körperlich kann.
Sondern:
wie bewusst ich mit meiner Energie umgehe.
Rückbeugen wie Dhanurāsana helfen mir dabei,das zu sehen.
Sehr direkt.Sehr ehrlich.
Fazit
Öffnet eine Rückbeuge wirklich dein Herz?
Vielleicht manchmal.
Aber für mich ist das nicht der entscheidende Punkt.
Wichtiger ist:
**Was passiert mit deiner Energie?
Und wohin richtest du sie?**
Denn genau darin liegt für mich die eigentliche Praxis.



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